Bis anhin wisst ihr, warum ich mich mit dem Regenbogen
identifiziere, was mir wichtig ist mit meiner HP aufzuzeigen, für was ich kämpfe und mich einsetze. Was ihr eher wenig gefunden habt sind persönliche Angaben über
mich, wer ich bin, was genau meine Vergangenheit war.
Ich muss euch enttäuschen, wenn ihr nun denkt, ich würde
euch hier meine Lebensgeschichte aufschreiben.
Mir geht
es um den Weg aus der Vergangenheit, um den Weg ins Leben.
Mein Weg raus aufzeigen, ist mir um ein vielfaches wichtiger. Zu zeigen, dass es möglich ist. Trotzdem werde ich ein zwei Themen anschneiden, die für ich persönlich sehr wichtig aufzuzeigen.
Beginnen möchte ich mit meinem Weg aus dem Schweigen. Mir ist dies auch aus dem Grund sehr wichtig, weil ich immer wieder auf
Menschen treffe, die Angst haben Worte zu finden. Die sich
verbieten zu sprechen, auch weil es ihnen verboten wurde. Die den Missbrauch zu
Hause „als nicht schlimm“ wahrnehmen, weil sie „selberschuld“ fühlen.
Aus diesem Grund ist es mir ein grosses Bedürfnis mehr über
den Weg raus zu schreiben.
Vor gut 3 Jahren, machte ich einen Kurs, einen
Selbstverteidigungskurs, der mir meine Wirklichkeit klaute.
Es war damals ein Selbstverteidigungs – Kurs bei IMPACT .
Dieser zielt darauf ab, möglichst realitätsnahe Situationen zu simulieren um zu
lernen Grenzen zu setzten, auch um Selbstvertrauen aufzubauen. - Ein sehr guter Kurs,
den ich im Grunde nur weiterempfehlen kann.
- Was dieser Kurs bei mir auslösen würde, konnte niemand ahnen.
Kurz gesagt landete ich in Flashbacks, neue
Erinnerungen kamen hoch und mit diesen kam ich nicht mehr klar.
Daher wählte ich damals den Weg ins Internet, weil ich nicht
mehr wusste, wie ich mit diesen neuen Erinnerungen weiterleben konnte.
Ich kam als absoluter Neuling ins Internet, hatte keine
Ahnung, der Materie, loggte mich einfach in einem Chat ein.
Ich wollte nicht wissen, wie ich mir das Leben nehmen kann,
sondern wie ich es schaffen kann weiterzuleben, einen Weg ins Leben zurück zu
finden.
Ich hatte Panik zu sprechen,
meine Wirklichkeit war im Nichts aufgelöst, ich hatte das Gefühl allein
zu sein.
Ich lernte Menschen kennen, die einen taten mir gut, andere
wiederum nutzen mich aus. Die Schattenseite des Internets, dass es eben auch
sehr kranke Typen im Netz gibt.
….doch eben nicht nur.
Im März 2006 war mein absoluter Tiefpunkt, ich unternahm
einen Suizidversuch, auf welchen ich alles andere als stolz bin.
Es geschah einfach, obwohl ich es im Grunde nie wollte. Ich
wollte Leben. Die ganzen Umstände, was wie gelaufen ist gehört ebenfalls nicht
hierher.
Wichtig ist, dass ich überlebt habe. Wichtig ist ebenfalls,
dass dies mir die Augen geöffnet hat.
Ich sah, fühlte und merkte, was ich bei andern Menschen
damit ausgelöst habe, ich sah den Schmerz, die Verzweiflung, die Betroffenheit.
Das so zu erleben, mitzuerleben, das möchte ich nie nie mehr bei jemandem
andern auslösen.
Ich wollte nie sterben und trotzdem kam es soweit, dass
ich beinahe gestorben wäre. Ich denke es war gleichzeitig der Wendepunkt, um
aus dieser Passivität heraus zu finden.
Ich hatte zwar keine Wirklichkeit mehr, doch ich konnte mir eine
neue aufbauen. Ich merkte, dass dies in meinen Händen liegt. Ich hab in der
Hand, was ich mit meiner Gegenwart und meiner Zukunft mache.
Manchmal braucht es ganz viel, bis "Mensch" aus der Dunkelheit
erwacht, manchmal kostet es beinahe das eigene Leben.
Suizid ist kein Weg, es gibt immer andere Wege, auch wenn es
oftmals nicht erkennbar ist, aber die Wege sind immer da und Menschen die einen unterstützen auch.
JA zum Leben, JA zu sich selber, daher auch meine
Einstellung dazu.
Ich lernte umzudenken, ich lernte zu
hinterfragen und ich lernte mich mitzuteilen. Ich lernte, dass ich sprechen
darf, ich lernte Worte zu finden, kurz gesagt ich lernte das Schweigen brechen.
Ob es mir Angst machte? – Oh ja, es machte mir riesen Angst.
Ich hatte Angst, dass all das eintreffen würde, was mir vorausgesagt wurde, was
mich gelernt wurde. Ich hatte Angst, dass ich noch das Bisschen verlieren
würde, was ich noch hatte, dass ich alleine dastehe und dass mir niemand glaubt.
Doch all das traf nicht ein. Die Menschen blieben da,
reichten mir ihre Hand. Sie hörten zu und ich denke es war ganz viele Male auch
sehr schwierig für sie, weil es so hilflos macht, ausser Zuhören nichts tun zu
können. Dabei war das Zuhören so sehr wichtig, mehr war gar nicht nötig ausser
dem Dasein.
Nein, nichts traf ein von dem was mir einst gesagt wurde, im
Gegenteil, ich fand Zuspruch und Unterstützung, ich fand Hilfe.
Niemand wendete sich ab, weil ich „selberschuld“ war,
niemand sah diese angebliche „Schuld“, niemand sah mich „als schlechten
Menschen“, niemand sah mich als „schmutzigen Menschen“.
Warum ich das so detailliert schreibe? Weil ich immer
wieder auf Menschen treffe, die genau in diesen Punkten vom Gegenteil überzeugt sind, wie
einst ich selber auch.
Sie glauben, dass sie selberschuld sind. Menschen, die alle
diese Glaubenssätze so sehr verinnerlicht haben, dass sie sich gar nichts
anderes erlauben können. Menschen, die ihre derzeitige Welt als die Wahrheit ansehen und
ihr Blickwinkel dadurch so sehr eingeschränkt wird.
Sie stehen auf ihrem Weg da, wo ich einst vor Jahren stand.
Gefangen in der Vergangenheit und in der Angst.
Daher möchte ich aufzeigen, dass es diesen weiteren Weg gibt
– Dass sich das Kämpfen für sich lohnt und dass jeder für sich selber kämpfen
darf, weil jeder Mensch ein wertvoller Mensch ist!!
Heute reiche ich meine Hand weiter, kann ich meine Hand auch
weiterreichen wie ich einst eine bekommen habe.
Mir ist es so sehr wichtig, aufzuzeigen, dass es ein anderes
Leben geben kann, dass es einen Weg zu diesem neuen Leben gibt.
Ich weiss aber auch, wie schwer dieser Weg ist, dass es
viele Steine auf diesem Weg hat. Doch jeder einzelne Kieselstein, der überwunden ist, sei er auch noch so klein, ist wieder ein Erfolg für sich
selber und gibt auch wieder Stärke und den Mut weiterzumachen.
Och ich bin kein perfekter Mensch, auch ich komme immer mal
wieder in Situationen die mich arg herausfordern. Der eigene Prozess heisst, lernen zu dürfen und immer wieder einen Schritt weiterkommen. Jede Krise ist schwierig und eine riesen Herausforderung.
Doch zugleich auch immer wieder eine Chance, neues zu lernen.
Krisen hat jeder Mensch - doch jeder kann an diesen wachsen. Sie brechen in ein Leben ein und bereichern genau dieses im Rückblick doch auch an Lebenserfahrung. Ich möchte solche Krisen nicht verharmlosen. Doch ich
mache immer wieder die Erfahrung, dass ich, wenn ich durch eine Krise hindurch
bin, ich wieder einiges geschafft habe. Ich lerne auch immer wieder Menschen
kennen und ich kenne Menschen, die mir ihre Hand in solchen Momenten reichen. Es
ist immer ein Geben und Nehmen und ich kann nur dann Geben, wenn ich mir auch
erlaube mal zu nehmen. Es ist keine Frage von Schwäche sich Hilfe zu holen,
sondern Stärke, sich um sich selber zu kümmern und Verantwortung für sich zu
übernehmen.
Jeder Mensch weiss wo seine eigenen Grenzen liegen und diese
Verantwortung darf ich nicht für ihn übernehmen.
An dieser Stelle
möchte ich mich ganz herzlich bei allen Menschen bedanken, die mir immer
mal wieder ihre Hand gereicht haben und ihre Hand nach wie vor reichen, wenn ich eine brauche, mich ein Stück auf
meinem Weg begleitet haben und / oder mich immer noch begleiten!
Ich gehe meinen Weg weiter und kann heute auf einige Jahre "mein Weg"
zurückblicken und sehen, was ich schon alles erreicht habe, im Wissen was ich
morgen noch erreichen möchte. Sehe meine Grenzen, im Wissen, dass ich auch
diese erweitern kann.
Ich habe eine Sprache für mich gefunden, mein mir aufgezwungenes Schweigen gebrochen. Ich werd nie mehr schweigen - ob das nun gewissen Menschen passt oder nicht. Das ist mir heute egal. Es ist mein Leben und ich hab mein Leben in der Hand.
Ich möchte allen Menschen Mut machen, dass es diesen Weg geht. Ich möchte Menschen ermutigen neues auszuprobieren, auch wenn es mit Angst
verbunden ist.
Alles Neue macht oftmals Angst, doch wenn du es nicht
versuchst, kannst du nicht genau wissen, was wäre, wenn du es nicht versucht hättest.
Dies hier ist mein Weg aus dem Schweigen heraus. Jeder Mensch geht
seinen eigenen Weg, einen Weg der ihm / ihr entspricht, in seiner eigenen Geschwindigkeit.
Die fünf Freiheiten
Die Freiheit zu sehen und zu hören, was ist,
statt zu sehen und zu hören, was sein sollte
oder einmal sein wird.
Die Freiheit zu sagen, was du fühlst und denkst,
statt zu sagen, was du darüber sagen solltest.
Die Freiheit zu fühlen, was du fühlst,
statt zu fühlen, was du fühlen solltest.
Die Freiheit, um das zu bitten, was du möchtest,
statt immer auf die Erlaubnis dazu zu warten.
Die Freiheit, um der eigenen Interessen willen Risiken einzugehen,
statt sich dafür zu entscheiden, "auf Nummer Sicher zu gehen"
und "das Boot nicht zum Kentern zu bringen". °
Ich bin ich
Auf der ganzen Welt gibt es niemanden wie mich.
Es gibt Menschen, die mir in vielem gleichen,
aber niemand gleicht mir aufs Haar.
Deshalb ist alles, was von mir kommt,
mein Eigenes,
weil ich mich dazu entschlossen habe.
Alles, was mit mir zu tun hat, gehört zu mir.
Mein Körper, mit allem was er tut,
mein Kopf, mit allen Gedanken und Ideen,
meine Augen, mit allen Bildern, die sie erblicken,
meine Gefühle, gleich welcher Art -
Ärger, Freude, Frustration, Liebe, Enttäuschung,
Begeisterung.
Mein Mund und alle Worte, die aus ihm kommen,
höflich, lieb oder schroff, richtig oder falsch.
Meine Stimme, laut oder leise,
und alles, was ich mir selbst oder anderen tue.
Mir gehören meine Phantasien,
meine Träume, meine Hoffnungen, meine Befürchtungen,
mir gehören all meine Siege und Erfolge
und all meine Niederlagen und Fehler.
Weil ich mir ganz gehöre,
kann ich mich näher mit mir vertraut machen.
Dadurch kann ich mich lieben
und alles, was zu mir gehört, freundlich betrachten.
Damit ist es mir möglich,
mich voll zu entfalten.
Ich weiß, daß es einiges an mir gibt,
das mich verwirrt, und manches,
das ich noch gar nicht kenne.
Aber solange ich freundlich und liebevoll mit mir umgehe,
kann ich mutig und hoffnungsvoll
nach Lösungen für Unklarheiten schauen
und Wege suchen,
mehr über mich selbst zu erfahren.
Wie auch immer ich aussehe und mich anhöre,
was ich sage und tue,
was ich denke und fühle,
immer bin ich es.
Es hat seine Berechtigung,
weil es ein Ausdruck dessen ist,
wie es mir im Moment gerade geht.
Wenn ich später zurückschaue,
wie ich ausgesehen und mich angehört habe,
was ich gesagt und getan habe,
wie ich gedacht und gefühlt habe,
kann es sein,
daß sich einiges davon als unpassend herausstellt.
Ich kann das, was unpassend ist, ablegen
und das, was sich als passend erwiesen hat, beibehalten
und etwas Neues erfinden für das,
was ich abgelegt habe.
Ich kann sehen, hören, fühlen, denken, sprechen und
handeln.
Ich besitze die Werkzeuge, die ich zum Überleben
brauche,
mit denen ich Nähe zu anderen herstellen
und mich schöpferisch ausdrücken kann,
und die mir helfen,
einen Sinn und eine Ordnung
in der Welt der Menschen und der Dinge
um mich herum zu finden.
Ich gehöre mir
und deshalb kann ich aus mir etwas machen.
Ich bin ich
und so, wie ich bin, bin ich ganz in Ordnung.
°
°Quellenangabe: Aus Büchern von Virginia Satir, geb. 26. Juni 1916 gestorben, 10. Sept. 1988, Familientherapeutin